Noem

»Noema«, aus dem Griechischen übersetzt Gedanke oder auch Denken, markiert als Begriff die kleinste bedeutungstragende Einheit, den Sinngehalt eines Gegenstandes. Und in den kleinen Dingen, dem Beiläufigen, finden NOEM ihre eigenen Gedanken! Der Wahnsinn des Alltags, konzentriert im Blick in den Spiegel, das Frühstücksei, Panik und Perversion. NOEM loten in ihren Texten das Kaputte aus, das die Menschen jeden Tag begleitet, das in den unbewusstesten Handlungen steckt und trotzdem in der Summe den Irrsinn jeder einzelnen individuellen Existenz ausmacht. Ein Sänger kotzt sich aus, macht sich kaputt – drei Instrumente zerstören den Rest. Der Bass verdient die so oft als Synonym verwandte Bezeichnung Axt, rostige Axt, blutige Axt, und die Gitarre schneidet sich beim Hören in den Kopf, stellt den Nerven eine kakophonische Zerreißprobe, folgt abstrusen und wirren Takten. Das Schlagzeug eine Gewaltorgie, minimal und mit einer Brutalität, wie sie sonst nur ein Todd Trainer von Shellac zustande bringt. Immer wieder das gleiche Motiv spielend, ausbrechend und wiederkehrend, wirken NOEM wie der Kontrollverlust und die Angst vor den eigenen Abgründen in einer Hypnose. Sie schaffen einen Sound, der es nicht erlaubt, wegzuhören, aus den Schattenseiten der menschlichen Seele zu hallen scheint.
Im Fahrwasser von Pissed Jeans, im Schlagschatten von Flipper und im Universum vonThe Jesus Lizard ist diese Band einzuordnen, so rotzig wie Black Flag und technisch wie Can, wobei die Einflüsse verwischen, höchstens als Referenz dienen können, da NOEM ihren eigenen Sound definieren.